Die Rentenlücke ist kein Schreckgespenst – sie ist Realität. Denn die gesetzliche Rente allein wird für die meisten nicht reichen. Das wissen viele. Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag der Debeka vertrauen gerade einmal 14 Prozent der Deutschen darauf, im Ruhestand mit der gesetzlichen Rente gut auszukommen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar weniger als acht Prozent. Das ist kein kollektiver Pessimismus – das ist eine realistische Einschätzung.
Was viele hingegen nicht wissen: Neben der privaten Vorsorge gibt es noch einen weiteren, oft unterschätzten Baustein – die betriebliche Altersvorsorge, kurz bAV. Die bAV ist im Grunde ganz einfach: Der Arbeitgeber hilft beim Aufbau einer Zusatzrente. Er wählt die Anlageform, kümmert sich um die Beitragszahlung – und beteiligt sich oft sogar selbst.
Seit 2002 haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das gesetzliche Recht auf eine sogenannte Entgeltumwandlung: Ein Teil des Bruttogehalts fließt direkt in die Betriebsrente – und das sozialabgabenfrei. Besonders attraktiv wird das Ganze, wenn der Arbeitgeber noch etwas obendrauf legt. Weitere Pluspunkte: Beiträge aus dem Bruttolohn reduzieren die Steuerlast, Gruppenverträge ermöglichen oft deutlich bessere Konditionen als Einzelverträge, und die Verträge sind flexibler als ihr Ruf.
Warum nutzen es so wenige?
Trotz all dieser Vorteile nutzen nur rund 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 25 und 66 Jahren überhaupt eine betriebliche Altersvorsorge. Das zeigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge e.V. Das ist ernüchternd, zumal eine neue Studie zeigt, dass die Lage eher schlechter als besser wird.
Die bAV-Studie 2025 von Deloitte, für die 2.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte befragt wurden, kommt zu einem klaren Befund. Die Teilnahme an der Entgeltumwandlung stagniert bei rund 40 Prozent. Nach einem Zwischenhoch von 47 Prozent im Jahr 2022 tritt die bAV damit auf der Stelle. Die Gründe dafür sind vielfältig: 37 Prozent der Befragten geben an, schlicht kein Geld für die Vorsorge übrig zu haben. 32 Prozent berichten, dass ihr Arbeitgeber gar keine bAV anbietet. 17 Prozent empfinden die vorhandenen Angebote als unattraktiv.
Dazu kommen strukturelle Hürden. Die Betriebsrente muss im Alter versteuert werden, und durch die Beiträge zur bAV können die gesetzlichen Rentenansprüche leicht sinken. Das schreckt manche ab – zu Unrecht, wenn man die Gesamtrechnung macht. Außerdem gilt laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Je höher das Einkommen und der Bildungsgrad, desto eher wird die bAV genutzt. Wer sie am nötigsten hätte, nämlich Geringverdiener, nutzt sie am seltensten.
Ein politischer Schritt in die richtige Richtung
Immerhin hat die Bundesregierung im September 2025 das zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) verabschiedet. Ab Juli 2026 können Arbeitgeber ihre Beschäftigten automatisch in eine Betriebsrente aufnehmen, es sei denn, sie widersprechen aktiv (sogenanntes Opting-out). Das könnte die Teilnahmequoten spürbar nach oben treiben. Allerdings besteht die Gefahr, dass ohne breitere Verfügbarkeit in kleinen Betrieben und spürbar erhöhte Förderung keine echte Trendwende zu erwarten ist.
Für Arbeitnehmer lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Gerade wenn ein freiwilliger Arbeitgeberzuschuss im Spiel ist, kann die bAV eine der effizientesten Formen der Altersvorsorge sein, weil jemand anderes mitbezahlt. Da das Thema aber komplex ist – verschiedene Durchführungswege, Steuerregeln in der Anspar- und in der Rentenphase, individuelle Situation – empfiehlt sich eine professionelle Beratung. Zertifizierte Finanzplaner, wie die CFP®-Professionals, können helfen, die eigene Versorgungslücke zu analysieren und die passende Lösung zu finden.
Ich finde: Die betriebliche Altersvorsorge ist kein Luxus für Gutverdienende. Sie ist ein Instrument, das grundsätzlich allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern offensteht. Wer sie ignoriert, lässt bares Geld liegen. Und angesichts einer gesetzlichen Rente, der kaum noch jemand vertraut, kann man sich das eigentlich nicht leisten.




