Eine Familienstrategie kann ein sinnvolles Konzept sein, um Unternehmen und Vermögen geordnet an die nächste Generation weiterzugeben. Sie gibt einer Unternehmerfamilie ein eigenes Regelwerk, das Leitplanken für unruhige Zeiten und ein konstruktives Miteinander bietet.
Die Frage der Nachfolge wird in vielen Familienunternehmen lange aufgeschoben, oft zu lange. Wie groß das Problem ist, zeigen aktuelle Zahlen von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): 2025 wurden in Deutschland rund 188.000 Unternehmen geschlossen, zehn Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit rund zwanzig Jahren nicht mehr. Nur etwa jede achte Schließung war eine Insolvenz. Häufig geben Inhaber auf, weil sich kein Nachfolger findet, auch nicht in der eigenen Familie. Bei den freiwillig geschlossenen Familienbetrieben war 2025 fast jeder dritte Inhaber 65 Jahre oder älter. 2002 lag dieser Anteil noch halb so hoch.
Nachfolge ist mehr als Steuern und Recht
Wer das Unternehmen und das Familienvermögen über Generationen sichern will, braucht eine klare Strategie. Die steuerlich und rechtlich richtige Gestaltung ist dabei nur ein Teil der Aufgabe. Mindestens ebenso wichtig ist es, die Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche der einzelnen Familienmitglieder einzubeziehen. Nur wenn frühzeitig festgelegt wird, wer das Unternehmen wann übernimmt und wie das Vermögen innerhalb der Familie verteilt wird, lassen sich Streit und unnötige Konflikte vermeiden.
Ein Unternehmen braucht eine Unternehmensstrategie. Ein Familienunternehmen braucht zusätzlich eine Familienstrategie. Sie verbindet die Bereiche Familie, Unternehmen und Gesellschafter über gemeinsame Leitlinien, schafft Strukturen, wo bisher keine waren, und stärkt Stabilität und Handlungsfähigkeit. Durch gemeinsame Werte und Perspektiven fördert sie zudem den Zusammenhalt der Familie und die Identifikation mit dem Vermögen und hilft, unterschiedliche Interessen auszugleichen.
Was eine Familienstrategie regelt
Im Ergebnis handelt es sich um schriftlich festgehaltene Regeln für die Mitglieder einer Unternehmerfamilie. Sie binden moralisch, nicht rechtlich, und stehen damit neben Gesellschaftsvertrag und Testament, für die sie den Rahmen vorgeben. Die Familienstrategie bestimmt das grundsätzliche Verhältnis zwischen Familie und Unternehmen, regelt die Nachfolge und legt fest, wie Konflikte vermieden oder gelöst werden. Häufig umfasst sie zudem finanzielle Fragen, Rollen und Verantwortlichkeiten sowie die Werte und Visionen des Unternehmens. Dabei gibt die Familienstrategie die inhaltliche Richtung vor: Was will die Familie? Die Familienverfassung schafft die Strukturen und Prozesse, nach denen Entscheidungen getroffen werden.
Typische Stolpersteine beim Generationswechsel
Die Beratungspraxis zeigt, dass ein reibungsloser Übergang selten gelingt. Gerade bei großen Veränderungen wie der Nachfolge treten familiäre Konflikte offen zutage. Zu den klassischen Stolpersteinen zählen schlechte Kommunikation und mangelnde Transparenz, Rivalitäten zwischen Geschwistern oder eine große räumliche Distanz einzelner Familienmitglieder.
Umso wichtiger ist professionelle Unterstützung. Ein Estate Planner kann alle Beteiligten an einen Tisch bringen und dabei helfen, individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen und passende Familienstrukturen zu gestalten. Ein Patentrezept gibt es nicht, denn jede Familie hat ihre eigenen Themen und Herausforderungen. Bei Bedarf lassen sich weitere Fachberater oder Coaches hinzuziehen.
Von der Analyse zur Familienverfassung
Am Anfang steht eine ganzheitliche Analyse: Welche Merkmale und Wechselbeziehungen prägen die Familie und das Unternehmen? Auf dieser Grundlage entscheidet die Familie gemeinsam, nach welchen Zielen und Werten sie die Zukunft gestalten will.
Die Bausteine einer Familienstrategie lassen sich in drei Bereiche gliedern: ein gemeinsames Bild für die Zukunft, Corporate Governance und Family Governance. Auf der Unternehmensseite geht es um Fragen wie: Wer darf Inhaber werden? Wer gehört zur Unternehmerfamilie? Wie organisiert sich ein wachsender Gesellschafterkreis? Auf der Familienseite steht im Mittelpunkt, wie die Familie miteinander umgehen und ihren Zusammenhalt stärken will, etwa durch regelmäßige Familientage oder Familienkonferenzen, bei denen auch die nächste Generation Schritt für Schritt herangeführt wird.
Am Ende werden Werte, Ziele, Regeln und Verantwortlichkeiten in einer Familienverfassung festgehalten. Sie dient als Leitfaden für Entscheidungen und Verhalten innerhalb der Familie, trägt maßgeblich zu deren Einheit und Handlungsfähigkeit bei und hilft so, Unternehmen und Familienvermögen dauerhaft zu erhalten.




