Die gute Nachricht vorweg: Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes Destatis ist der Gender Pay Gap, der Unterschied in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen, im Jahr 2024 hierzulande von 18 auf 16 Prozent zurückgegangen. Doch auch wenn der Unterschied geringer geworden ist, er besteht doch weiterhin. Während Männer auf einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 26,34 Euro kamen, lag er bei Frauen im Schnitt bei 22,24 Euro und damit 4,10 Euro darunter. Folglich sind Frauen auch weiter im Alter stärker armutsgefährdet als ihre männlichen Geschlechtsgenossen. Konkret betrug die Armutsgefährdungsquote bei Frauen laut Destatis im Jahr 2024 etwa 16,2 Prozent, bei Männern war sie mit 14,7 Prozent etwas geringer.
Für Mütter aber sieht es noch deutlich schlimmer aus. Mütter mit einem Kind haben ein Lebensarbeitszeiteinkommen, das im Durchschnitt 40 Prozent unter dem von Frauen ohne Kinder liegt. Bei zwei Kindern summieren sich die Einbußen sogar auf 70 Prozent. Dabei steht Deutschland laut dem Magazin The Economist im internationalen Vergleich besonders schlecht da, was unter anderem auf die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zurückzuführen ist. Dass Mütter aber grundsätzlich schlechter gestellt sind als ihre kinderlosen Geschlechtsgenossinnen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Sie unterbrechen aufgrund der Geburt ihre berufliche Tätigkeit und sie arbeiten häufig in Teilzeit nach der Elternzeit.
Mütter sind mit noch höherem Armutsrisiko im Alter konfrontiert
Auch machen es die hohen Kosten für die Kinderbetreuung wenig reizvoll, in den Beruf zurückzukehren. Umgekehrt betreuen nur sechs bis sieben Prozent der Väter ihre Kinder über die zwei Monate Elternzeit hinaus. Mütter übernehmen also nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Care-Arbeit für den Nachwuchs und unterbrechen ihre berufliche Tätigkeit dafür komplett. Das wiederum führt zu erheblichen Einkommensverlusten im Laufe des Lebens, woraus ein noch höherer Gender Pension Gap und damit ein erhöhtes Risiko von Altersarmut resultieren.
Wie sich das konkret auswirkt, verdeutlicht eine Beispielrechnung: Nehmen wir als Ausgangspunkt ein jährliches Bruttoeinkommen für eine Vollzeitstelle in Höhe von 45.358 Euro. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahreseinkommen hierzulande in der Rentenversicherung. Reduziert eine Frau nun nach der Geburt ihres Kindes aufgrund der Care-Arbeit ihre Arbeitszeit um 50 Prozent, dann bekommt sie statt bisher zehn nur noch fünf Entgeltpunkte. Über zehn Jahre hinweg bedeutet das, dass sie infolgedessen rund 200 Euro weniger Rente monatlich im Vergleich zu einer Frau bekommt, die keine Kinder hat, und die die ganze Zeit in Vollzeit beschäftigt ist.
Drei-Konten-Modell als erster wichtiger Schritt
Aus diesem Grund ist es für Mütter besonders wichtig, eine ausreichende finanzielle Vorsorge frühzeitig zu planen. Ein erster wichtiger Schritt ist, dass sich Frauen in jeder Lebensphase ihre finanzielle Unabhängigkeit bewahren. Das geht beispielsweise mit dem Drei-Konten-Modell. Dabei gibt es Gemeinschaftskonto, von dem die Ausgaben für die Familie weggehen und das beide Ehepartner entsprechend ihrem Einkommen befüllen. Dazu kommen zwei separate Konten, einmal für die Frau und eines für den Mann. In dem Augenblick, in dem die Frau die Care-Arbeit für die gemeinsamen Kinder übernimmt und entsprechend weniger arbeitet, sorgt der Mann für einen finanziellen Ausgleich.
Als zweite Maßnahme ist eine Art Baby-Ausgleichszahlung ein wichtiger Ansatz. Die Idee dahinter ist einfach: Es geht darum, dass der Mann die Verluste an Rentenansprüchen, die aus der Teilzeittätigkeit resultieren, ausgleicht. Das kann – ausgehend von dem obigen Beispiel – wie folgt aussehen: Die Mutter nimmt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes eine Auszeit und arbeitet danach – bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses – nur 50 Prozent. Insgesamt werden damit pro Jahr rund 4.218 Euro pro Jahr weniger an Rentenbeiträgen eingezahlt. Das entspricht in etwa einem monatlichen Betrag von rund 350 Euro. Dieser wird in einer privaten Altersvorsorge für die Frau angespart.
Mehr Offenheit für Ausgleichszahlungen
Die Umsetzung selbst kann auf verschiedene Arten erfolgen. Eine erste Alternative wäre die Einzahlung des entsprechenden Betrages in ein ETF-Depot. Das hat allerdings einen Nachteil, weil bei Geldknappheit schnell mal darauf zugegriffen wird. Wer das verhindern will, kann sich beispielsweise für die Rürup-Rente entscheiden. Sparer bekommen dort eine staatliche Förderung und da man erst nach Ablauf des 62. Lebensjahres darauf zugreifen kann, ist auch sichergestellt, dass das Geld nicht schon zuvor für andere Dinge ausgegeben wird. Wichtig ist zudem, dass man bei der Geldanlage auf Garantien verzichtet. Denn sie sind teuer, kosten Geld und gehen zu Lasten der Rendite.
Gleichzeitig sollte man möglichst auf Aktien setzen. Denn bei einem langen Anlagehorizont gleichen sich kurzfristige Kursschwankungen im Laufe der Zeit aus. Dafür bringen Aktien langfristig mit die höchsten Renditen. Und schließlich kann auch eine langfristig ausgerichtete, umfassende und individuell zugeschnittene Finanzplanung sinnvoll sein. Sie ist zusammen mit einer guten Finanzbildung die Grundlage dafür, dass Frauen und Mütter im Besonderen in jeder Lebensphase ihre finanzielle Unabhängigkeit wahren. Und ihr Armutsrisiko im Alter senken.




